Donnerstag, 27. April 2017

In afrikanischen Messen gibt es viel Musik! ?

Jaja, dieses (Vor)Urteil...
Als wir gestern Abend aus Ho zusammen mit Monsignor wiedergekommen sind, ließen Hannah und ich uns überzeugen, heute morgen mit ihm zusammen zu einem Thanksgiving Gottesdienst (am Tag nach der Beerdigung) zu fahren. So ging es um neun Uhr los, Richtung Guaman. Im Gepäck hatten wir das Buch, welches uns Monsignor uns Tags zuvor gekauft hatte: „God’s Word 2017. Daily Reflections“. Das Buch hat hier gefühlt jeder Katholik, für jeden Tag stehen dort die Lesung(en) und das Evangelium sowie eine Art Predigt drinnen. Da die Messe größtenteils auf Ewe war, konnten wir die Lesungen so mitverfolgen.
Wie ich zu der Überschrift komme? Die Messe heute morgen war tatsächlich sehr belebt: es wurde über zwei Stunden viel Gesungen, immer begleitet von traditionellen Trommeln und nach der Predigt kamen ein paar Bläser und Trommler (diese hatten Trommel wie sie z.B. an einem Schlagzeug sind) herein und haben dann zur Kollekte ordentlich Stimmung gemacht. Hier gibt es in (nahezu) keiner Kirche eine Orgel, insgesamt wird sehr viel mit traditionellen Trommeln begleitet; teilweise auch mit Keyboards, die dann in den Orgel Modus gestellt werden. In den meisten Messen wird kaum mehr gesungen als bei. Lediglich die Kollekte ist ein eigener „Programmpunkt“, der meistens mit Musik begleitet wird; oftmals tänzelt man nach vorne. Ein deutlicher Unterschied ist die Predigt. Diese ist zumeist sehr lebendig, es wird viel gelacht, manchmal auf etwas geantwortet oder der Priester stimmt ein Lied/Vers an, welches/welchen die Gemeinde dann mitsingt. Abgesehen davon, sind die Gottesdienste sehr vergleichbar mit unseren.
Als die Messe vorbei war hat Monsignor noch etwas zu der Verstorbenen gesagt, wir haben zwar nichts verstanden, aber es scheint allen gefallen zu haben :D.
Auf dem Rückweg haben wir Monsignor gefragt, ob er denn fasten würde und ob das hier üblich ist. Er selbst würde an ein paar Tagen nicht essen und auch sonst scheint es nicht so üblich zu sein; schließlich würden die Kinder hier auch nicht so regelmäßig Sußigkeiten etc. bekommen (das war mein Beispiel als ich fasten erklären wollte, da ich das englische Wort nicht wusste; es ist übrigens „to fast“ :D).
Hannah und ich fanden die Messe, mit der ausergewöhnlich vielen Musik und guten Stimmung, auf jeden Fall einen kleinen Ausflug wert ;)

(Jona – 05.03.)

Freitag, 21. April 2017

Malaria :0

Nun ist es schon eine ganze Weile her: unmittelbar nach unseren Ferien, Mitte Januar, hat mich Malaria heimgesucht. Als ersten und bisher einzigen von uns.
Malaria ist eine Tropenkrankheit die durch Parasiten hervorgerufen wird. Übertragen werden diese durch weibliche Stechmücken, Mosquitos. Die in Ghana hauptsächlich vorkommende Malaria tropicana hat zwar einen relativ heftigen Verlauf, die Parasiten verschwinden aber wieder komplett aus dem Blut (ein späteres erneutes Ausbrechen, ohne das man erneut gestochen wird, ist somit bei dieser Art Malaria nicht möglich!).
Am Dienstagabend fühlte ich mich nicht gut, mir war kalt, ich machte mir ein Fußbad, ging dann ins Bett und wurde auf dem Weg dorthin so schlapp, dass ich mich in meinem Zimmer angekommen, direkt in mein Bett legte und mir Wasser von Jan bringen ließ. Die nächsten zwei Nächte und den dazwischenliegenden Tag habe ich immer abwechselnd geschlafen und wach auf dem Sofa gesessen, mich insgesamt schwach gefühlt, aber es ging halt alles so irgendwie.... Am Donnerstagnachmittag hat meine WG mich dann überredet, dass ich ins Krankenhaus muss. Ich war mir sicher, es ist kein Malaria, aber nun gut, ich sagte ich lasse mich dorthin bringen.
Eine Stunde später war ich mit unserem Driver und Jan in der Krankenstation im nächsten Städtchen. Dort dauerte alles ein Weilchen (zumindest im Zeitverständis eines Kranken) bis mir Blut abgenommen wurde. Ich fühlte mich immer schwächer, zu Hause, wo das Sofa immer in der Nähe war, hatte ich mich nicht so krank gefühlt. Nach einiger Zeit war die Blutuntersuchung abgeschlossen, der freundliche Herr kam raus. Ich schaute ihn an und er sagte direkt Malaria. Zurück bei den Schwestern (das Labor ist im Gebäude nebenan, erklärten diese mir, ich müsste dableiben (und auch dort schlafen) und Fusionen bekommen. Nach einem Versuch, ob ich die Fusionen nicht hier bekommen könnte und trotzdem zu Hause schlafen, akzeptierte ich und legte mich auch sogleich auf das Bett neben dem Behandlungstisch.
Auf diesem Bett lag ich dann auch die nächsten zwei Nächte. Vom Warteraum zu diesem Raum war nur ein Türrahmen (ohne Tür), alle Patienten wurden in diesem Raum untersucht. Das lief immer gleich ab: zuerst auf die Waage stellen (egal ob kleines Baby oder alte Dame die kaum selbstständig stehen kann), dann Fieberthermometer, „Wie fühlst du dich“, dann wieder raus. So war es tagsüber sehr lebendig, nachts hatte ich dafür aber meine Ruhe, da ich alleine schlief – somit war ich auch dankbar dort schlafen zu können und nicht in den Schlafsaal zu müssen. Nur in der zweiten Nacht wurde meine Ruhe gestört, ein schreiendes Kind wurde hereingebracht und über die nächste Dreiviertelstunde von der Krankenschwester behandelt (was genau sie tat, weiß ich nicht).
Gleich zu Beginn wurde mir ein Zugang gelegt, ich bekam über die nächsten knapp 48h, die ich im Krankenhaus verbrachte, circa sechs Fusionen und zu Beginn ein paar Injektionen gegen das Malaria, später dann musste ich stattdessen Tabletten nehmen (auch noch drei Tage, nachdem ich zu Hause war). Die ganze Zeit über habe ich Paracetamol bekommen, allerdings ohne das ich wusste was die Tabletten sind. Zu Hause habe ich damit natürlich gleich aufgehört :D
Während der ganzen Zeit war Jan oft da, Franzis und Hannah kamen auch einmal. In der Krankenstation gibt es kein Essen, sodass mir dieses von den dreien vorbeigebracht (und oft auch wieder mit zurückgenommen :0) wurde.
Die Krankenschwestern waren die wirklich nett, hatten vermutlich auch Spaß daran zur Abwechslung mal junge weiße zu behandeln, und so wurden mit Jan und mir Späße gemacht; die eine war nach ein paar Stunden nur noch als meine Frau bekannt (ich sollte sie mit nach Deutschland nehmen; müsste mich aber zugleich vor ihrem Mann hüten – sie war gerade schwanger). So war es war eine anstrengende, aber irgendwie auch nette und erlebnisreiche Zeit. Mit der Zeit ging es mir wesentlich besser und am Samstag konnte ich wieder nach Hause.
Am Dienstag war ich dann wieder da zur erneuten Blutuntersuchung und erfreulicherweise waren alle Parasiten aus meinem Blut verschwunden J

(Jona – 25.02)

Dienstag, 28. März 2017

Sportfest in Nsuta

Am Freitag, den 17.03.2017, fand bei uns an der Schule ein großes Sportfest statt. Hierzu waren alle umliegenden Schulen (Ketsi, Attakrom unter anderem auch Guaman) eingeladen. Geplant war ein Tag voll mit Sportcontests in Ausdauerlauf, Volleyball und Fußball. Früh morgens, nach dem bereits abgeschlossenen Ausdauerlauf starteten die Primary Schulen mit ihren Fußballspielen. Hier traten die U13 Schüler gegeneinander an, davon habe ich allerdings nichts mitbekommen:
Mein Tag begann damit, dass ich um 6 Uhr zu Ivy (einer Lehrerin) gegangen bin um ihr beim Kochen zu helfen. Bereits am Vortag hatten wir schon mithilfe von ein paar Schülern angefangen Palmnutsoup zu Kochen. Heute stand auf dem Plan, die Suppe fertig zu kochen und 130 Portionen Banku herzustellen. Das Essen sollte schließlich für die anderen Lehrer und auch für unsere sportlichen Schüler reichen. Um halb 7 trafen dann auch ein paar Schüler ein, die uns helfen wollten. Ivy war nun für die Suppe zuständig und mir wurde (mit der Hilfe der Schüler) die Aufgabe des Banku Kochens zugeteilt.


Dies hat sehr viel Spaß gemacht und ich fand es sehr interessant auch mal beim Zubereiten helfen zu können.
Um 12 Uhr waren wir fertig und konnten dann auch zur Schule gehen und unser JHS-Team anfeuern. Sobald ich an der Schule eintraf kamen die Schüler auch schon zu mir und haben mich mit zum Volleyballfeld genommen, da die Mädels dran waren mit Spielen (in der Woche zuvor wurde viel trainiert, sowohl in der Schulzeit als auch am Nachmittag nochmal, so oft ich konnte war ich beim Training anwesend :)). Die Mädels gewannen das erste Spiel gegen Guaman und dies sollte nicht der letzte Sieg des Tages bleiben. Dann ging es auch schon weiter mit Fußball, leider verloren hier unsere Jungs und sind somit ausgeschieden. Die Mädchen hingegen gewannen auch dieses Spiel und haben eine große Party im Klassenraum gestartet. Hier wurde gesungen, getanzt und auch getrommelt.
Jetzt hieß es allerdings erstmal Mittagspause. Ivy und ich verteilten Banku und Palmnutsoup an die Schüler und Lehrer. Die Schüler konnten gar nicht glauben, dass ich mitgeholfen habe zu Kochen, erst die Beweisbilder konnten sie überzeugen. Auf jeden Fall hat es allen geschmeckt :)
Nach der Mittagspause ging es auch direkt weiter. Die Schüler aus Nsuta hatten noch etwas Spielpause bevor die Mädchen wieder auf das Volleyballfeld durften. Jetzt hieß es Finale! Nsuta gegen Ketsi. Nach einem spannenden Spiel trat Nsuta als Gewinner hervor und für die Schüler gab es kein Halten mehr. Es ging direkt in den Klassenraum um wieder ordentlich zu Feiern und zu Tanzen. Auch ich durfte mich nicht drücken und wurde von den Schülerinnen zum Tanzen und Singen animiert :)
Leider konnten die Spiele, aufgrund der Tatsache, dass es hier schon gegen 18 Uhr dunkel wird, nicht beendet werden. Somit bleiben die anderen finalen Spiele offen. Im Finale für die Jungs im Fußball sowie im Volleyball wäre es nochmal für Guaman spannend geworden und auch die Nsuta Jungs wären für das Finale im Volleyball bereit gewesen :). Die Mädchen aus Nsuta hätten gerne auch noch im Fußballfinale ihr Können bewiesen, traurig, dass wir nicht zu Ende spielen konnten, war aber an dem Tag niemand. Alle waren bester Laune und hatten sehr viel Spaß. Auch mir hat der Tag und die ganze Woche voller Training sehr gut gefallen. So konnte auch ich die Schüler nochmal anders und ohne Schuluniform kennenlernen.

(Hannah)


Sonntag, 19. März 2017

Religionen

Johannes (einer der Teamer) brachte auf unserer Zwischenseminar Zeitschriften mit, am Ende der Woche durften wir diese mitnehmen. Ich habe uns den Spiegel Geschichte „Der Islam“ mitgenommen. Heute hatte ich diesen in der Schule mit und nachdem ich von einem unserer Lehrer in der Pause erfahren hatte, dass er Muslim ist, habe ich ihm die Zeitschrift in der zweiten Pause gezeigt. Gut, lesen konnte er davon jetzt nicht soviel, aber die Moschee von Cordoba lässt sich auch ohne Deutschkenntnisse bewundern. So kamen wir über Religionen ins Gespräch...
Vasco ist vor zehn Jahren zum Islam konvertiert (vorher war er römisch-katholisch). Als entscheidenden Grund, nennt er die Funerals der Katholiken. Für diese wird hier unglaublich viel Geld ausgegeben, dass macht keinen Sinn sagt er, vor allem, wenn kaum genug Geld für die Bildung der Kinder da ist. Auf meine Nachfrage hin, ob das der einzige Grund sei, sagt er nach einigem Zögern, dass es auch familiäre Gründe gegeben hätte. In seiner Familie ist er der einzige Muslim, seine Frau hingegen ist ebenfalls Muslima. Sie sei dies auch von Geburt an gewesen, erklärt er mir auf Nachfrage. Ebenso sagt er, dass die Heirat überhaupt kein Problem gewesen sei, auch wenn er zu der Zeit noch Katholik war; ganz im Gegenteil, das ist hier üblich. Er erzählt, dass auf der Feier nach der Taufe (was genau er meinte, habe ich nicht verstanden – auf jeden Fall irgendein Zusammenkommen von Freunden nach der Taufe des Kindes) eines Nachbarn mehr Muslime als Christen gekommen wäre – ganz normal, alle sind Freunde, da spielt der Glaube des anderen keine zentrale Rolle. Überhaupt, warum sollte man sich streiten, fragt er. Wir alle glauben an einen, da oben (er zeigt nach oben :D), und wir alle haben einen Weg, wie wir unseren Glauben leben oder ausdrücken, und wir alle Glauben, unser Weg sei der bessere; also soll doch jeder seinen Weg gehen, und dann ganz entspannt abwarten, wer in den Himmel kommt. Irgendwie eine sympathisch offene Einstellung, denke ich mir. Überhaupt, oft denke ich mir hier, ich würde mir wünschen, dass wir in Deutschland so friedlich, bzw. vor allem so unaufgeregt mit unseren Religionen umgehen, wie die Ghanaer. Jeder glaubt, jeder findet irgendwie seinen Weg – und der andere akzeptiert und respektiert es, ohne daraus groß ein Thema zu machen. Es spielt keine Rolle, ob die Nachbarin jetzt ein Kopftuch trägt oder nicht (es ist auch in der Schule erlaubt – bei uns trägt übrigens niemand eins, und ja, es gibt bei uns Muslime), ob der Nachbar und wenn ja wie oft betet, in die Moschee oder Kirche geht. Geschweige denn, dass es irgendjemand zum Politikum machen würde. Es ist ein friedliches neben- und ja, eben auch miteinander, wie man es sich aus meiner Sicht nur wünschen kann.
Ein was gibt es hier übrigens kaum: Atheisten. In einem Buch, was ich kürzlich las („Der Kosmopolit“) scherzte der Autor, wenn sich Ghanas Atheisten versammeln würden, so könnten sie dies in einer Telefonzelle tun. Die meisten sind christlich (es gibt hier ungemein viele charismatische Kirchen/„Pfingstkirchen“) oder muslimisch und/oder Angehörige einer der (Natur)Religionen Ghanas. Diese werden erstaunlich oft mit einer der beiden Buchreligionen vermischt, auch wenn sie sich eigentlich wiedersprechen.

(Jona – 20.02.2017)

Sonntag, 12. März 2017

Independence Day

Pünktlich wie eh und je stehe ich um kurz nach sieben auf dem Fußballfeld, wo heute die Parade stattfinden soll. 60 Jahre Unabhängigkeit von den Briten feiert Ghana heute; seitdem ist viel passiert, demokratische gewählte Präsidenten wechselten sich mit Militärputschen ab – mittlerweile ist der letzte Putsch aber viele Jahre her und man ist sich auch wohl sicher, dass man dorthin nicht mehr zurückkehren wird. Jedes Jahr gibt es am 06. März eine große Militärparade am Black Star Square in Accra; und in den Dörfern marschieren die Schüler. Ich schaue mich um, ein paar Zelte und Stühle sind aufgebaut, eine Ghanaflagge weht an einem Bambus – und ich bin ganz alleine! Dabei hatte ich Donnerstag extra nochmal nachgefragt: ich soll um sieben kommen, sie würden früh, wenn es noch kalt ist, marschieren; wenn ich erst nach acht kommen würde, bräuchte ich gar nicht mehr kommen. Ich überquere den Platz, setzte mich auf einen Stuhl, Gott sei Dank habe ich ja mein Handy dabei, alleine bin ich also schon mal nicht :D Nach einer knappen halben Stunde (die ich größtenteils mit dem Känguru Manifest verbracht habe, in Guaman ist das Internet einfach grausig), kommt James (den habe ich im letzten Term unterrichtet) und sagt mir, ich solle doch mal zur Schule gehen, die anderen würden sich dort treffen; er gehe aber noch zum Haus seiner Mutter – nun gut, ich mache mich auf, knapp 15 Minuten laufe ich durch den Ort, es ist ja noch nicht soo heiß.
Dort angekommen toben knapp 30 Schüler herum – kein Lehrer, weit und breit. Ich werde freundlich begrüßt, setzte mich, quatsche ein bisschen und warte. Um kurz nach acht kommt der erste Lehrer, Vasco. Er ist überrascht, dass er der erste Lehrer ist, dachte alle wären schon am Feld, wir setzten uns und quatschen und warten. Um halb neun dann ziehen wir gemeinsam mit der Primary und lauten Trommeln marschierend durch den Ort, zurück zum Fußballfeld. Auf dem Weg nehmen wir die Chiefs mit, sie laufen hinter uns her (ich habe das Prinzip leider noch nicht so ganz geblickt. Es gibt auf jeden Fall mehrere im Ort, dann gibt es auch noch Subchiefs und manchmal laufen die Elders auch neben denen). Am Platz angekommen, setzten sich die Chiefs, die Schüler stellten sich auf und wir setzten uns hinter ihnen.
Ein Programm wird herumgereicht (ganz schön viele Punkte denke ich mir :0) und nach Gebeten (christlich und traditionell; in Guaman gibt es keine Moschee) und Begrüßungen, sowie Singen der Nationalhymne und Aufsagen des Versprechens („pledge“) geht es dann auch los, die Schüler marschieren, class one (Primary) beginnt, Mädchen und Jungen jeweils getrennt.
Ich bin überrascht über die lockere Atmosphäre, habe mir das ganze irgendwie „autoritärer“ vorgestellt. Es wird viel gelacht, bei der letzten Gruppe läuft einer unserer Lehrer mit (ich bin sowas von froh, dass ich nicht mitlaufen muss; beim Üben wurde ich schon kräftig ausgelacht) und anschließend läuft ein Trupp der Müllabfuhr, sowie die Frauen aus dem Dorf, die vor den Chiefs statt dem obligatorischen Salut so tun, als würden sie Fufu pumpen/stampfen.
Als sich alle wieder auf den Weg nach Hause machen, lädt mich ein Lehrer auf ein Bierchen ein, gemeinsam sitzen wir noch eine ganze Zeit im Spot in Guaman und unterhalten uns sehr nett, ehe ich mich auf den Weg nach Hause mache.

Hannah, die währenddessen in Nsuta war (und eine Stunde später los ist, wie gemein!) und nur ein paar Minuten nach mir eintrifft, sagt, dass wir zum Mittagessen jetzt gleich zu Monsignor sollen. Also springen wir unter die Dusche, holen Essen und gehen zu Monsignor. Der  guckt die Liveübertragung aus Accra. Er lädt uns ein, uns auf sein Bett zu setzten und gemeinsam schauen wir, er erklärt immer wieder ein bisschen und erzählt über Ghanas Geschichte. Bald werde der Präsident sprechen, das wolle er vorm Essen noch sehen. Er sagt, ich solle doch Cola und Fanta aus dem Kühlschrank holen und während ich das tue, steht er auch auf, und holt, zu unserer Überraschung, von deutschen Besuch mitgebrachten Hochprozentigen. Ich rieche nur, Hannah probiert – wir beide wollen nicht. Monsi macht sich eine Mischung mit Fanta, ich probiere, ganz schön stark! :0 Monsi tanzt ein bisschen auf der Stelle, setzt sich wieder, erzählt uns was der Präsident so sagt; erklärt, dass das Einbeziehen der Partei in die Rede eine Provokation sei, die viele ärgern wird, anschließend essen wir gemeinsam.

Ich hatte einen echt netten und sehr unterhaltsamen Tag: auf dem Fußballfeld, im Spot und bei Monsi auf dem Bett! ☺

(Jona)

Donnerstag, 2. März 2017

Freiwillige Feuerwehr Nsuta

In den letzten Wochen hat es bei uns in der Nähe öfter mal gebrannt. Hier ist Trockenzeit, wir haben Temperaturen von 18° (nachts) bis 38° (mittags) Celsius. Zuerst hat vor ein paar Wochen abends eine große Fläche am Berg, den man von uns aus sieht, gebrannt (nachts, das sah schon beeindruckend aus), dann hat es an der vom Center gegenüberliegenden Straße gebrannt, vor gut einer Woche direkt an der Grenze zu dem Centergelände und erst vor ein paar Tagen ist auf unserem Schulweg ein gutes Stück verbrannt (hier war wohl ein Strommast umgekippt – sonst wird auch oftmals Feuer gelegt: Brandrodung).
Wir haben kaum gesehen, dass gegen das Feuer etwas unternommen wurde, höchstens haben wir Männer mit Macheten in die Richtung gehen sehen – wir vermuten sie haben Schneisen geschlagen, damit sich das Feuer nicht weiter ausbreiten kann.
Das Feuer ist wirklich ein klassisches Strohfeuer, es brennt kurz hoch auf, lässt die ausgetrockneten Gräser verbrannt zurück, zieht aber auch schnell weiter und lässt jenes, was vorher noch Grün war, relativ unbeschadet zurück.
Als das Feuer vor kurzem nun so nah an unserem Haus war sind Jan und ich mal gucken gegangen. Während ich fotografiert habe, hat Jan sich als Feuerwehrmann probiert – ich finde, er sollte dringend die Freiwillige Feuerwehr Nsuta gründen! ;)

(Jona – 18.02.2017)

Samstag, 25. Februar 2017

Hadern

Irgendwie eine komische Schulwoche (13.-16. Februar). Meine Schüler haben beide die ganze Woche über ihre Hausaufgaben nicht gemacht (der eine hatte sie vorher immer, der andere zumindest meistens wenigstens die Hälfte) und konnten mir auch nicht wirklich sagen warum. Nun gut, so haben sie ihre Hausaufgaben immer zu Beginn der Stunde gemacht, während ich über Kolonialismus und dessen Auswirkungen/Folgen gelesen habe. Bei meinem einen Schüler hat mich noch etwas Anderes gehörig aufgeregt: er hat sich über die letzten Tage angewöhnt, das Heft nicht mitzubringen (sobald er da ist, frage ich danach, er geht zurück und holt es) und sich einige andere Kleinigkeiten überlegt, warum man aus dem Unterricht raus muss (Stift, Toilette, etc.). Jedes Hinausgehen wird dabei so gut es geht in die Länge gezogen, jeder Schritt vorsichtig gesetzt.
Eben dieser Schüler hat heute meinen Geduldsbogen überspannt. Nachdem er seine Hausaufgaben natürlich wieder nicht hatte und auch das Heft nicht mitgebracht hatte, kontrollierte ich nach der Bearbeitung (bis er damit angefangen hat, hat es auch ein wenig gedauert) seine Aufgaben und legte ihm das Heft wieder hin, damit er seine Fehler berichtigen könne. In dem Moment, wo ich das Heft vor ihn hinlege, legt er seinen Kopf komplett auf den Tisch, auf den er sich vorher nur aufgestützt hatte. Ich sage seinen Namen, beim zweiten Mal kommt eine geraunte Antwort, er scheint aber nicht bereit zu sein, seine Aufgaben zu korrigieren. Ich sage ihm, er solle den Raum verlassen. Zeige ihm die bereits für Montag notierten Hausaufgaben, er solle sich überlegen, ob er mit mir arbeiten möchte. Wenn ja, soll er die Hausaufgaben machen und sich demnächst anders verhalten, ich möchte nicht mit Schülern arbeiten, die sich selbst nicht bemühen und die ganze Zeit sich nur drum rumdrücken.
Es ist nicht mehr lang bis zur Pause, ich lese bis dahin weiter, danach kommt mein zweiter Schüler.
Wie könnte es in dieser Woche anders sein, auch er hat seine Hausaufgaben nicht gemacht und ich bitte auch ihn, diese jetzt zu machen und beginne erneut zu lesen (90 Seiten habe ich heute gelesen :0). Bereits aus dem Augenwinkel nehme ich wahr, dass er nicht wirklich arbeitet. Nach einiger Zeit frage ich ihn, warum nicht, was das Problem sei. Er redet nicht mit mir. Franzis, die im gleichen Raum eine Schülerin unterrichtet, versucht mit ihm zu reden. Er rechnet zwar zwei Aufgaben, während sie dabeisitzt („Zeig mir, dass du es kannst“), hört aber sogleich wieder auf, als sie weg ist. Und ihr erklären was los sei, möchte er nicht. Als ich am Ende der Stunde möchte, dass er den von mir gesagten Satz (Wenn ich möchte, dass sich etwas verändert, muss ich darüber reden) wiederholt, ist er dazu nicht bereit. Ich versuche ihm deutlich zu machen, dass ich nicht weiß was sein Problem ist, dass er mir doch bitte erklären möge, warum er nicht arbeitet. Er redet weiterhin nicht mit mir. Nach einiger Zeit, bitte ich eine etwas ältere Schülerin von Franzis, ihn zu fragen was los sei. Auch mit ihr redet er nicht. Ein anderer Schüler, der sich dazu gesetzt hat (das ist hier einfach üblich), sagt mir ein wenig später, er hätte gesagt er würde die Hausaufgaben zu Montag machen. Ich sage ihm, er könne in die Pause gehen; ich gehe davon aus, dass er die Hausaufgaben zu Montag macht und wir normal unsere Stunde lernen können – und, dass er mir sagen soll, wenn es etwas gibt (was wir verändern sollen, er für Probleme hat, ihn ärgert, etc.).

Etwas frustriert mache ich mich auf den Heimweg. Ich weiß nicht so recht, warum plötzlich beide Schüler ihre Hausaufgaben gar nicht mehr machen und es auch im „Unterricht“ so große Probleme gibt.
Mir ist aber auch bewusst, dass ich viel von einem Schüler hier verlange, wenn ich ihm sage, er solle mir doch ehrlich sagen, wo genau sein Problem liegt und Franzis sogar anbietet, er könne ihr sagen, wenn er ein Problem mit mir hat. Womöglich hat ihn noch nie eine ältere Person so nach seiner Meinung (über den Unterricht, etc.) gefragt, ihn nach seinen Problemen gefragt – und vor allem ihm die Möglichkeit gegeben, sich über eine „Autorität“ zu beschweren, bzw. zu sagen was einen an ihr stört. Das ist hier mindestens ungewöhnlich.
Und nun bin ich gespannt, wie es nächsten Montag ausschaut...

(Jona – 16.02.2017)