Letztes Wochenende haben wir uns aufgemacht, in die
Hauptstadt des Nordens.
Vor uns stand ein etwas gewagter Wochenendtrip, sodass wir
uns erst einmal eine Warnung von Jo und Monsi eingefangen haben, nicht das uns
auch schon bewusst war, dass 10 Stunden Fahrt vor uns lagen. Deswegen sind wir
am Freitag auch, sportlich wie wir sind, um 5:30 morgens gestartet.
Nachdem wir glücklicherweise direkt ein Trotro von Kadjebi
nach Nkwanta bekommen haben, erwartete uns dort die erste Ernüchterung.
Unsere Hoffnung von hier direkt nach Yendi zu kommen, wurde
spontan per Privatwagen auf 300GHC p.P. beziffert, sodass wir uns in ein Trotro
nach Kpassa setzen mussten, welches zu allem Überfluss 18 statt 14 Leute
mitnehmen wollte, trotz normaler Größe (auf dieser Reise wurde uns sehr gut
veranschaulicht, dass immer noch Platz ist :D).
Von Kpassa ging es nach Damanko, von Damanko nach Bimbilla,
hier war das Trotro ein ehemaliger amerikanischer Schulbus mit Freiluftplätzen
auf dem Dach ;)
Nach neun Stunden kamen wir in Yendi an.
Von hier aus „gönnten“ wir uns dann einen Reisebus nach
Tamale, der sofort losfuhr und nur geringfügig teurer war (umgerechnet keinen
ganzen Euro). Hier erlebten wir, dass es sich ganz anders anfühlt hinter
luftdichten Scheiben, zurückgelehnt auf bequemen Sitzen und mit Klimaanlage,
die Umgebung zu erkunden. Ich empfand es als interessant und trotzdem auch
befremdlich, denn alles war auf einmal so weit weg, so surreal, war man doch
eben noch gefühlt mittendrin.
Die Fahrt von Nsuta nach Tamale war nämlich äußerst
interessant, wenn auch anstrengend.
Wir sahen, wie sich die Natur veränderte, von unserem sehr
tropischen Klima, mit viel Wald und grün, hin zu einem trockeneren Klima mit viel
Grasland und Savanne.
Außerdem wurde uns auch etwas von „Afrika, wie im Film“
geboten. Inmitten von Savanne tauchten kleine Dörfer mit Lehmhütten, samt
Strohdächern auf.
Man merkte, dass gerade die ländlichen Gegenden des Nordens
Ghanas einfacher aussahen und das es bei uns hier fruchtbarer ist (wir liegen
hier übrigens auch in einer der fruchtbarsten Gegenden Ghanas), im Gegensatz zu
dem trockeneren Norden.
In Tamale angekommen wurden wir von Joseph in Empfang
genommen.
Nein, nicht der Joseph vom Center, sondern ein Freund von
Father Agena, der in Deutschland studiert hat und zu dem Jona über Bekannte
Kontakt aufgenommen hatte.
Wir nahmen uns ein Taxi und Joseph zeigte uns unserer
Unterkunft, ein katholisches Gasthaus, das uns sehr an unser Center hier
erinnerte.
Nachdem wir uns etwas frisch gemacht hatten, plauderten wir
etwas mit dem sehr netten Joseph. Er arbeitet bei einer NGO, die sich vor allem
gegen Korruption einsetzt und versucht Betroffenen zu helfen und Täter
anzuklagen. Später traf auch Father Agena in Begleitung einer Schwester ein. Es
wurde sich um Essen für uns gekümmert, wir unterhielten uns nett und erfuhren,
was man denn hier so sehen könnte und dass ein Wochenende nun viel zu wenig
sei. Deshalb wurden wir auch netterweise direkt für eine ganze Woche
eingeladen. Wir wurden also regelrecht vollkommen umsorgt.
Am nächsten Tag war Father Agena auf einer Beerdigung, dass
das hier oft ansteht war uns ja auch bereits bekannt... Daraufhin wurden wir
zum Frühstück zu einem anderen Priester eingeladen, zu Father Simon, einem
netten Herrn aus Papua-Neuguinea, der uns anschließend noch in das Zentrum zu dem
„Cultural Market“ brachte. Hier verbrachten wir viel Zeit und stöberten durch
diverse Läden von den hier ansässigen Künstlern und Verkäufern.
Wir (also vor allem ich :D) waren sehr angetan und
quittierten dies auch mit dem ein oder anderen Einkauf :D
Danach schlugen wir uns durch den riesen Markt und
erkundeten die Stadt und ihre große Moschee. Dazu muss man sagen, dass der
Norden Ghanas deutlich muslimischer ist, als der Süden. Insgesamt sind in Ghana
ca. 60% christlichen und 20% muslimischen Glaubens.
In Tamale dagegen sind ca. 84% der Einwohner Muslime, sodass
wir am Freitagabend auch dem Konzert der Muezzine zum Freitagsgebet lauschen
konnten.
Danach trafen wir Joseph wieder, der uns noch die
katholische Kirche Tamales zeigte, bevor wir von Father Simon zum Abendessen
abgeholt wurden. Nach einem weiteren netten Essen gingen wir auch schon
schlafen, denn am Sonntag stand nun mal schon die nicht allzu kurze Rückfahrt
an.
Wir hatten uns verschiedene Möglichkeiten zur Rückfahrt
eingeholt und entschieden uns dafür, erstmal wieder nach Yendi zu fahren, in
der Hoffnung diesmal etwas einfacher die Strecke bis Nkwanta bewältigen zu
können.
In Yendi erwartete uns sogar die frohe Botschaft, dass es
einen durchgängigen Bus nach Nkwanta gibt, der in 1 ½ Stunden losfahren sollte.
3 Stunden später fuhren wir dann auch tatsächlich los, in
einem Bus, der 1 ½ Stunden mit bestimmt 20 Ziegen auf dem Dach und weiteren 35
im Kofferraum, sowie gefühlten Tonnen von Maissäcken, Bohnen etc. beladen wurde...
Langsam, mit einem Reparaturstopp und zahlreicher Aufregung aufgrund der Ziegen
(deren Transport auf dem Dach nicht unbedingt höchster Sicherheitsstandards
entsprach...), kamen wir nach 6-7 Stunden Fahrt in Nkwanta an.
Hier schnappten wir uns das gefühlt einzige Taxi, welches
uns nach Kadjebi bringen wollte
(erst auch nur für einen überhöhten Preis, wir hatten uns
über die Preise vorher schlau gemacht) und waren im Dunkeln wieder am Center,
nachdem wir bei Sonnenaufgang aufgebrochen waren.
Ein insgesamt sehr spannendes Wochenende, wenn auch nicht
minder anstrengend.
Glücklicherweise hatten wir in Tamale das Glück die Gäste
von Father Agena, Joseph und Father Simon zu sein, die sich sehr nett um uns
kümmerten und gleichzeitig freundliche und spannende Gesellschaft waren.
(Jan - geschrieben am
27.11.2016)