Irgendwie eine komische Schulwoche (13.-16. Februar). Meine Schüler haben beide die ganze Woche über ihre Hausaufgaben nicht gemacht (der eine hatte sie vorher immer, der andere zumindest meistens wenigstens die Hälfte) und konnten mir auch nicht wirklich sagen warum. Nun gut, so haben sie ihre Hausaufgaben immer zu Beginn der Stunde gemacht, während ich über Kolonialismus und dessen Auswirkungen/Folgen gelesen habe. Bei meinem einen Schüler hat mich noch etwas Anderes gehörig aufgeregt: er hat sich über die letzten Tage angewöhnt, das Heft nicht mitzubringen (sobald er da ist, frage ich danach, er geht zurück und holt es) und sich einige andere Kleinigkeiten überlegt, warum man aus dem Unterricht raus muss (Stift, Toilette, etc.). Jedes Hinausgehen wird dabei so gut es geht in die Länge gezogen, jeder Schritt vorsichtig gesetzt.
Eben dieser Schüler hat heute meinen Geduldsbogen überspannt. Nachdem er seine Hausaufgaben natürlich wieder nicht hatte und auch das Heft nicht mitgebracht hatte, kontrollierte ich nach der Bearbeitung (bis er damit angefangen hat, hat es auch ein wenig gedauert) seine Aufgaben und legte ihm das Heft wieder hin, damit er seine Fehler berichtigen könne. In dem Moment, wo ich das Heft vor ihn hinlege, legt er seinen Kopf komplett auf den Tisch, auf den er sich vorher nur aufgestützt hatte. Ich sage seinen Namen, beim zweiten Mal kommt eine geraunte Antwort, er scheint aber nicht bereit zu sein, seine Aufgaben zu korrigieren. Ich sage ihm, er solle den Raum verlassen. Zeige ihm die bereits für Montag notierten Hausaufgaben, er solle sich überlegen, ob er mit mir arbeiten möchte. Wenn ja, soll er die Hausaufgaben machen und sich demnächst anders verhalten, ich möchte nicht mit Schülern arbeiten, die sich selbst nicht bemühen und die ganze Zeit sich nur drum rumdrücken.
Es ist nicht mehr lang bis zur Pause, ich lese bis dahin weiter, danach kommt mein zweiter Schüler.
Wie könnte es in dieser Woche anders sein, auch er hat seine Hausaufgaben nicht gemacht und ich bitte auch ihn, diese jetzt zu machen und beginne erneut zu lesen (90 Seiten habe ich heute gelesen :0). Bereits aus dem Augenwinkel nehme ich wahr, dass er nicht wirklich arbeitet. Nach einiger Zeit frage ich ihn, warum nicht, was das Problem sei. Er redet nicht mit mir. Franzis, die im gleichen Raum eine Schülerin unterrichtet, versucht mit ihm zu reden. Er rechnet zwar zwei Aufgaben, während sie dabeisitzt („Zeig mir, dass du es kannst“), hört aber sogleich wieder auf, als sie weg ist. Und ihr erklären was los sei, möchte er nicht. Als ich am Ende der Stunde möchte, dass er den von mir gesagten Satz (Wenn ich möchte, dass sich etwas verändert, muss ich darüber reden) wiederholt, ist er dazu nicht bereit. Ich versuche ihm deutlich zu machen, dass ich nicht weiß was sein Problem ist, dass er mir doch bitte erklären möge, warum er nicht arbeitet. Er redet weiterhin nicht mit mir. Nach einiger Zeit, bitte ich eine etwas ältere Schülerin von Franzis, ihn zu fragen was los sei. Auch mit ihr redet er nicht. Ein anderer Schüler, der sich dazu gesetzt hat (das ist hier einfach üblich), sagt mir ein wenig später, er hätte gesagt er würde die Hausaufgaben zu Montag machen. Ich sage ihm, er könne in die Pause gehen; ich gehe davon aus, dass er die Hausaufgaben zu Montag macht und wir normal unsere Stunde lernen können – und, dass er mir sagen soll, wenn es etwas gibt (was wir verändern sollen, er für Probleme hat, ihn ärgert, etc.).
Etwas frustriert mache ich mich auf den Heimweg. Ich weiß nicht so recht, warum plötzlich beide Schüler ihre Hausaufgaben gar nicht mehr machen und es auch im „Unterricht“ so große Probleme gibt.
Mir ist aber auch bewusst, dass ich viel von einem Schüler hier verlange, wenn ich ihm sage, er solle mir doch ehrlich sagen, wo genau sein Problem liegt und Franzis sogar anbietet, er könne ihr sagen, wenn er ein Problem mit mir hat. Womöglich hat ihn noch nie eine ältere Person so nach seiner Meinung (über den Unterricht, etc.) gefragt, ihn nach seinen Problemen gefragt – und vor allem ihm die Möglichkeit gegeben, sich über eine „Autorität“ zu beschweren, bzw. zu sagen was einen an ihr stört. Das ist hier mindestens ungewöhnlich.
Und nun bin ich gespannt, wie es nächsten Montag ausschaut...
(Jona – 16.02.2017)
Samstag, 25. Februar 2017
Samstag, 18. Februar 2017
Einfach mal Raus – und rein in eine „Blase“
Anfang Februar hatten wir vier in Kumasi unser Zwischenseminar– zusammen mit 28 weiteren deutschen Ghanafreiwilligen (okay, drei waren nicht aus Ghana) und vier Teamern von Volute e.V., die das Seminar organisierten.
Am Donnerstag (02.02.) haben wir uns morgens auf den Weg gemacht und wurden netterweise von Monsignor bis nach Jasikan gebracht. Circa zehn Stunden später waren wir dann auch endlich da, doch der Nachtwächter hatte nur noch drei Einzelzimmer im Angebot. Wir schauten uns die Zimmer an, aber auf den Matratzen fanden wir es alle dann doch zu kuschelig für zwei Leute. Nach einiger Zeit hat er dann aber doch ein Doppelzimmer aufgetrieben, welches die Mädchen auch sogleich bezogen. Jan und ich kamen nach einiger Zeit zur Rezeption zurück, in unserem Bad funktionierte gar kein Wasser. Der Rezeptionist muss in der Zwischenzeit zaubern gelernt haben, wir konnten auch ein Doppelzimmer beziehen (wenngleich wesentlich kleiner als das der Mädchen). Abendessen bekamen wir nicht mehr (die Unterkunft ist ein Center, vergleichbar wenn auch etwas besser als das, wo wir leben und drum herum gibt es halt nichts zu essen) und da Jan und ich auch das Frühstück verschliefen, hatte ich zum Mittagessen, womit das Seminar begann, dann auch richtig Hunger. Das Essen war dann Gott sei Dank auch ganz lecker, wie mit wenigen Ausnahmen die ganze Woche über auch.
Anschließend starteten wir vor allem mit Kennlernspielen und konnten erstaunlich schnell alle Namen (ja, ich auch – sogar mit passendem Adjektiv! :D). Wir alle haben schnell Kontakt zu anderen Leuten gefunden, uns viel unterhalten und gemeinsam Spaß gehabt! Am nächsten Tag dann haben wir das Programm für die Woche geplant. Ja genau, das haben wir gemeinsam gemacht: Erst hat jeder für sich Themen aufgeschrieben, dann alle allen vorgestellt und in Übergruppen geordnet, diesen wurden dann in Kleingruppen Überschriften gegeben. Wer mochte, konnte nach einer kurzen Pause dann daran arbeiten, wie möglichst alle diese Themen (14 Oberthemen haben wir gesammelt) in das bereits vorgegebene Rahmenprogramm eingearbeitet werden können – Circa die Hälfte der Teilnehmer ist dieser Einladung gefolgt. Partizipation nennt Volute dieses Vorgehen, eine der drei Säulen (Modularisierung und Spiritualität). Dann war das Programm für unseren ersten richtigen Seminartag auch vorbei – bis auf das „Offene Team“. Dieses findet jeden Abend statt, wer mag ist eingeladen zu kommen. Besprochen wird, was die Teilnehmenden einbringen, was sie von dem Tag noch beschäftigt, etc. Circa zehn Teilnehmer sind dieser Einladung im Schnitt gefolgt – ich habe es immer als sehr nette Runde wahrgenommen :)
Am nächsten Tag haben wir uns in vier Gruppen zu je sieben/acht Teilnehmern aufgeteilt und morgens ein Plakat gestaltet, was wir in den letzten sechs Monaten erlebt haben, was uns beschäftigt, usw. Nachmittags (unsere Gruppe hat bis in den späten Abend gebraucht :0) haben wir uns diese dann vorgestellt und von den anderen Gruppenmitgliedern Rückmeldungen und Tipps bekommen.
Bevor wir am letzten Tag in den gleichen Gruppen mit der gleichen Methode uns überlegt haben, was in den nächsten sechs Monaten vor uns liegt, bei uns ansteht, haben wir einen Ausflug zum Kratersee Lake Bosomtwe gemacht, uns mit Rollen des Freiwilligen, Interkultureller Kommunikation und Rassismus beschäftigt und durften Julie (eine der vier TeamerInnen und Ghanaern) Fragen zur ghanaischen Kultur stellen.
Ich fand die Zeit unglaublich spannend, glaube, dass ich einiges gelernt habe (gerade in Bezug auf interkulturelle Kommunikation (Highcontext and Lowcontext Communication) und in Bezug auf Rassismus (struktureller Rassismus und Alltagsrassismus; was ist geblieben von kolonialen Strukturen?), bin begeistert von dem pädagogischen Konzept und konnte die Zeit rundum genießen; mit den Teamern und den vielen offenen und netten anderen Teilnehmern.
Eine wunderschöne Woche in der Blase des Seminares!
(Jona)
Franzis: „Mich persönlich hat der Erfahrungsaustausch mit den anderen Freiwilligen sowie mit den Teamern sehr inspiriert und es war einfach super spannend von ihren Projekten und ihrem Leben in Ghana und anderen westafrikanischen Ländern zu hören. Durch das Zwischenseminar habe ich für mich die Chance gesehen, mein erstes halbes Jahr mit etwas Abstand zu betrachten und zu reflektieren, unvoreingenommene Rückmeldung zu bekommen und mir auch Tipps für die nächste Zeit mitzunehmen.“
Am Donnerstag (02.02.) haben wir uns morgens auf den Weg gemacht und wurden netterweise von Monsignor bis nach Jasikan gebracht. Circa zehn Stunden später waren wir dann auch endlich da, doch der Nachtwächter hatte nur noch drei Einzelzimmer im Angebot. Wir schauten uns die Zimmer an, aber auf den Matratzen fanden wir es alle dann doch zu kuschelig für zwei Leute. Nach einiger Zeit hat er dann aber doch ein Doppelzimmer aufgetrieben, welches die Mädchen auch sogleich bezogen. Jan und ich kamen nach einiger Zeit zur Rezeption zurück, in unserem Bad funktionierte gar kein Wasser. Der Rezeptionist muss in der Zwischenzeit zaubern gelernt haben, wir konnten auch ein Doppelzimmer beziehen (wenngleich wesentlich kleiner als das der Mädchen). Abendessen bekamen wir nicht mehr (die Unterkunft ist ein Center, vergleichbar wenn auch etwas besser als das, wo wir leben und drum herum gibt es halt nichts zu essen) und da Jan und ich auch das Frühstück verschliefen, hatte ich zum Mittagessen, womit das Seminar begann, dann auch richtig Hunger. Das Essen war dann Gott sei Dank auch ganz lecker, wie mit wenigen Ausnahmen die ganze Woche über auch.
Anschließend starteten wir vor allem mit Kennlernspielen und konnten erstaunlich schnell alle Namen (ja, ich auch – sogar mit passendem Adjektiv! :D). Wir alle haben schnell Kontakt zu anderen Leuten gefunden, uns viel unterhalten und gemeinsam Spaß gehabt! Am nächsten Tag dann haben wir das Programm für die Woche geplant. Ja genau, das haben wir gemeinsam gemacht: Erst hat jeder für sich Themen aufgeschrieben, dann alle allen vorgestellt und in Übergruppen geordnet, diesen wurden dann in Kleingruppen Überschriften gegeben. Wer mochte, konnte nach einer kurzen Pause dann daran arbeiten, wie möglichst alle diese Themen (14 Oberthemen haben wir gesammelt) in das bereits vorgegebene Rahmenprogramm eingearbeitet werden können – Circa die Hälfte der Teilnehmer ist dieser Einladung gefolgt. Partizipation nennt Volute dieses Vorgehen, eine der drei Säulen (Modularisierung und Spiritualität). Dann war das Programm für unseren ersten richtigen Seminartag auch vorbei – bis auf das „Offene Team“. Dieses findet jeden Abend statt, wer mag ist eingeladen zu kommen. Besprochen wird, was die Teilnehmenden einbringen, was sie von dem Tag noch beschäftigt, etc. Circa zehn Teilnehmer sind dieser Einladung im Schnitt gefolgt – ich habe es immer als sehr nette Runde wahrgenommen :)
Am nächsten Tag haben wir uns in vier Gruppen zu je sieben/acht Teilnehmern aufgeteilt und morgens ein Plakat gestaltet, was wir in den letzten sechs Monaten erlebt haben, was uns beschäftigt, usw. Nachmittags (unsere Gruppe hat bis in den späten Abend gebraucht :0) haben wir uns diese dann vorgestellt und von den anderen Gruppenmitgliedern Rückmeldungen und Tipps bekommen.
Bevor wir am letzten Tag in den gleichen Gruppen mit der gleichen Methode uns überlegt haben, was in den nächsten sechs Monaten vor uns liegt, bei uns ansteht, haben wir einen Ausflug zum Kratersee Lake Bosomtwe gemacht, uns mit Rollen des Freiwilligen, Interkultureller Kommunikation und Rassismus beschäftigt und durften Julie (eine der vier TeamerInnen und Ghanaern) Fragen zur ghanaischen Kultur stellen.
Ich fand die Zeit unglaublich spannend, glaube, dass ich einiges gelernt habe (gerade in Bezug auf interkulturelle Kommunikation (Highcontext and Lowcontext Communication) und in Bezug auf Rassismus (struktureller Rassismus und Alltagsrassismus; was ist geblieben von kolonialen Strukturen?), bin begeistert von dem pädagogischen Konzept und konnte die Zeit rundum genießen; mit den Teamern und den vielen offenen und netten anderen Teilnehmern.
Eine wunderschöne Woche in der Blase des Seminares!
(Jona)
Franzis: „Mich persönlich hat der Erfahrungsaustausch mit den anderen Freiwilligen sowie mit den Teamern sehr inspiriert und es war einfach super spannend von ihren Projekten und ihrem Leben in Ghana und anderen westafrikanischen Ländern zu hören. Durch das Zwischenseminar habe ich für mich die Chance gesehen, mein erstes halbes Jahr mit etwas Abstand zu betrachten und zu reflektieren, unvoreingenommene Rückmeldung zu bekommen und mir auch Tipps für die nächste Zeit mitzunehmen.“
Samstag, 24. Dezember 2016
Frohe Weihnachten
Genau heute sind wir seit vier Monaten in Ghana und somit
ist ein Drittel der Zeit um. Wir verbringen nun das erste Mal Weihnachten so
weit weg von zu Hause.
Wir wünschen euch allen Frohe und gesegnete Weihnachten –
und in ein paar Tagen auch einen guten Rutsch in das neue Jahr; und bedanken
uns für euer Interesse und eure Unterstützung!
Wir sind auf Reisen, deswegen kommen in nächster Zeit
vermutlich auch keine Einträge – aber sobald wir zurück sind gibt’s bestimmt
ein paar coole Fotos ;)
Liebe Grüße von uns vieren :)
Sonntag, 18. Dezember 2016
Update aus Nsuta
Ebenfalls haben Jan und ich auch schon mit unseren Homevisits angefangen. Wir besuchen die Schüler/innen zusammen mit Monsignor. In dem ersten Term konnten wir leider erst eine unserer Schülerinnen besuchen. Der Besuch war etwas ernüchternd aber trotzdem interessant. Leider wurde nur auf Ewe gesprochen und Monsignor musste für Jan und mich übersetzen. Viel mitbekommen was genau gesagt wurde haben wir so leider nicht. Wir hatten aber auch die Möglichkeit unserer Schülerin zu sagen was sie gut macht und woran sie noch arbeiten sollte.
Bei uns in Nsuta hat es etwas den Anschein das die Schüler
nicht sonderlich interessiert an einem Homevisit von Jan und mir sind. Wir
bleiben allerdings hartnäckig dran um auch die anderen Schüler noch besuchen zu
können ;)
Sehr interessant finde ich hier die Familienverhältnisse.
Die Kinder übernehmen sehr früh Verantwortung und kümmern sich viel um die jüngeren
Geschwister. Dies ist denke ich etwas anders wie bei uns Zuhause (jeder der
jüngere Geschwister hat kann das wahrscheinlich nachvollziehen :D).
Schule ein großer Kochwettbewerb zwischen der Form 1,2 und 3. Die Schüler wurden in Gruppen eingeteilt und hatten die Aufgabe verschiedene Gerichte herzustellen, nebenbei sollten sie diverse Fragen zur Zubereitung beantworten. Es wurden die traditionellen Gerichte Fufu, Bank und Reis mit den entsprechenden Saucen und Beilagen gekocht. Auch Jan und ich waren eingeladen den Lehrern und Schülern zu helfen (war gar nicht so einfach, da ich, glaube ich, mehr Fragen als die Schüler hatte). Wir halfen den Schülern dabei das Banks zu rühren und das Fufu zu pumpen. Außerdem probierten wir auch für uns neue Sachen, wie zum Beispiel den Bissap-Drink, bestehend aus Hibiskusblüten, Teeblättern und sehr viel Ingwer aus. Gegen Ende des Schultages durften wir alle Gerichte probieren, hierzu wurde auch die Primary school eingeladen. Das Essen hat uns geschmeckt, auch wenn man hier und da noch etwas nachsalzen musste :) Alles in allem war dies ein sehr interessanter und schöner Schultag.
(Hannah)
Mittwoch, 14. Dezember 2016
Tamale
Letztes Wochenende haben wir uns aufgemacht, in die
Hauptstadt des Nordens.
Vor uns stand ein etwas gewagter Wochenendtrip, sodass wir
uns erst einmal eine Warnung von Jo und Monsi eingefangen haben, nicht das uns
auch schon bewusst war, dass 10 Stunden Fahrt vor uns lagen. Deswegen sind wir
am Freitag auch, sportlich wie wir sind, um 5:30 morgens gestartet.
Nachdem wir glücklicherweise direkt ein Trotro von Kadjebi
nach Nkwanta bekommen haben, erwartete uns dort die erste Ernüchterung.
Unsere Hoffnung von hier direkt nach Yendi zu kommen, wurde
spontan per Privatwagen auf 300GHC p.P. beziffert, sodass wir uns in ein Trotro
nach Kpassa setzen mussten, welches zu allem Überfluss 18 statt 14 Leute
mitnehmen wollte, trotz normaler Größe (auf dieser Reise wurde uns sehr gut
veranschaulicht, dass immer noch Platz ist :D).
Von Kpassa ging es nach Damanko, von Damanko nach Bimbilla,
hier war das Trotro ein ehemaliger amerikanischer Schulbus mit Freiluftplätzen
auf dem Dach ;)
Nach neun Stunden kamen wir in Yendi an.
Von hier aus „gönnten“ wir uns dann einen Reisebus nach
Tamale, der sofort losfuhr und nur geringfügig teurer war (umgerechnet keinen
ganzen Euro). Hier erlebten wir, dass es sich ganz anders anfühlt hinter
luftdichten Scheiben, zurückgelehnt auf bequemen Sitzen und mit Klimaanlage,
die Umgebung zu erkunden. Ich empfand es als interessant und trotzdem auch
befremdlich, denn alles war auf einmal so weit weg, so surreal, war man doch
eben noch gefühlt mittendrin.
Die Fahrt von Nsuta nach Tamale war nämlich äußerst
interessant, wenn auch anstrengend.
Wir sahen, wie sich die Natur veränderte, von unserem sehr
tropischen Klima, mit viel Wald und grün, hin zu einem trockeneren Klima mit viel
Grasland und Savanne.
Außerdem wurde uns auch etwas von „Afrika, wie im Film“
geboten. Inmitten von Savanne tauchten kleine Dörfer mit Lehmhütten, samt
Strohdächern auf.
Man merkte, dass gerade die ländlichen Gegenden des Nordens
Ghanas einfacher aussahen und das es bei uns hier fruchtbarer ist (wir liegen
hier übrigens auch in einer der fruchtbarsten Gegenden Ghanas), im Gegensatz zu
dem trockeneren Norden.
In Tamale angekommen wurden wir von Joseph in Empfang
genommen.
Nein, nicht der Joseph vom Center, sondern ein Freund von
Father Agena, der in Deutschland studiert hat und zu dem Jona über Bekannte
Kontakt aufgenommen hatte.
Wir nahmen uns ein Taxi und Joseph zeigte uns unserer
Unterkunft, ein katholisches Gasthaus, das uns sehr an unser Center hier
erinnerte.
Nachdem wir uns etwas frisch gemacht hatten, plauderten wir
etwas mit dem sehr netten Joseph. Er arbeitet bei einer NGO, die sich vor allem
gegen Korruption einsetzt und versucht Betroffenen zu helfen und Täter
anzuklagen. Später traf auch Father Agena in Begleitung einer Schwester ein. Es
wurde sich um Essen für uns gekümmert, wir unterhielten uns nett und erfuhren,
was man denn hier so sehen könnte und dass ein Wochenende nun viel zu wenig
sei. Deshalb wurden wir auch netterweise direkt für eine ganze Woche
eingeladen. Wir wurden also regelrecht vollkommen umsorgt.
Am nächsten Tag war Father Agena auf einer Beerdigung, dass
das hier oft ansteht war uns ja auch bereits bekannt... Daraufhin wurden wir
zum Frühstück zu einem anderen Priester eingeladen, zu Father Simon, einem
netten Herrn aus Papua-Neuguinea, der uns anschließend noch in das Zentrum zu dem
„Cultural Market“ brachte. Hier verbrachten wir viel Zeit und stöberten durch
diverse Läden von den hier ansässigen Künstlern und Verkäufern.
Wir (also vor allem ich :D) waren sehr angetan und
quittierten dies auch mit dem ein oder anderen Einkauf :D
Danach schlugen wir uns durch den riesen Markt und
erkundeten die Stadt und ihre große Moschee. Dazu muss man sagen, dass der
Norden Ghanas deutlich muslimischer ist, als der Süden. Insgesamt sind in Ghana
ca. 60% christlichen und 20% muslimischen Glaubens.
In Tamale dagegen sind ca. 84% der Einwohner Muslime, sodass
wir am Freitagabend auch dem Konzert der Muezzine zum Freitagsgebet lauschen
konnten.
Danach trafen wir Joseph wieder, der uns noch die
katholische Kirche Tamales zeigte, bevor wir von Father Simon zum Abendessen
abgeholt wurden. Nach einem weiteren netten Essen gingen wir auch schon
schlafen, denn am Sonntag stand nun mal schon die nicht allzu kurze Rückfahrt
an.
Wir hatten uns verschiedene Möglichkeiten zur Rückfahrt
eingeholt und entschieden uns dafür, erstmal wieder nach Yendi zu fahren, in
der Hoffnung diesmal etwas einfacher die Strecke bis Nkwanta bewältigen zu
können.
In Yendi erwartete uns sogar die frohe Botschaft, dass es
einen durchgängigen Bus nach Nkwanta gibt, der in 1 ½ Stunden losfahren sollte.
3 Stunden später fuhren wir dann auch tatsächlich los, in
einem Bus, der 1 ½ Stunden mit bestimmt 20 Ziegen auf dem Dach und weiteren 35
im Kofferraum, sowie gefühlten Tonnen von Maissäcken, Bohnen etc. beladen wurde...
Langsam, mit einem Reparaturstopp und zahlreicher Aufregung aufgrund der Ziegen
(deren Transport auf dem Dach nicht unbedingt höchster Sicherheitsstandards
entsprach...), kamen wir nach 6-7 Stunden Fahrt in Nkwanta an.
Hier schnappten wir uns das gefühlt einzige Taxi, welches
uns nach Kadjebi bringen wollte
(erst auch nur für einen überhöhten Preis, wir hatten uns
über die Preise vorher schlau gemacht) und waren im Dunkeln wieder am Center,
nachdem wir bei Sonnenaufgang aufgebrochen waren.
Ein insgesamt sehr spannendes Wochenende, wenn auch nicht
minder anstrengend.
Glücklicherweise hatten wir in Tamale das Glück die Gäste
von Father Agena, Joseph und Father Simon zu sein, die sich sehr nett um uns
kümmerten und gleichzeitig freundliche und spannende Gesellschaft waren.
(Jan - geschrieben am
27.11.2016)
Samstag, 10. Dezember 2016
End Of Term Exams
Unser erster Term ist fast vorbei. Ein Viertel unser Zeit
ebenfalls. Genau an Weihnachten (das ist mir gerade erst aufgefallen :0) ist
ein Drittel vorbei. Genau, die Zeit ist reif für Ferien ;)
Vor jeden Ferien (diese gibt es hier immer nur zwischen den
Terms, also drei Mal im Jahr) werden Examen geschrieben – in allen Fächern
(nichts von wegen nur Hauptfächer oder so)! Wir stellen auch welche, jeweils in
Mathe und Englisch. In Guaman schreiben „unsere“ Schüler Mathe und Englisch bei
uns und die anderen Fächer ganz normal innerhalb der Klasse (sie haben
zumindest kaum etwas von den jeweiligen Fächern verpasst), in Nsuta schreiben
sie nur Mathe und Englisch. Franzis und ich haben uns in den letzten Tagen dann
ab und an mal entspannt und sind nicht zur Schule gegangen (Es werden pro Tag
zwei Examen á 105-120 Minuten geschrieben, es findet kein Unterricht statt) –
schon ganz entspannt :D (Anm. aus Nsuta.: Also wir sind fleißig in der Schule
und fungieren auch als Aufsicht etc. ;))
Ich habe das mit Tutu (Headmaster – und mein Lieblingslehrer
;)) so abgesprochen, für ihn war das überhaupt kein Problem, absolut
verständlich, dass wir dann nicht zur Schule kommen. Als wir uns dann nach dem
Englisch Examen auf den Heimweg machten und den anderen Lehrern sagten, Tutu
war gerade nicht da, wir werden morgen nicht kommen, war Viktor (den mag ich
nicht so gerne :D) ein bisschen aufgebracht und wollte dann auch sogleich
wissen, ob wir das denn auch mit dem Headmaster abgesprochen hätten. Ich
versicherte ihm, dass wir das natürlich getan hätten und fügte an, dass Tutu
und ich uns sehr einig über die Sinnhaftigkeit dessen seien, und wir ließen
ihn, glaube ich, ein bisschen verärgert zurück.
Ich habe das Gefühl,
hier kann man tatsächlich einen Unterschied der Kulturen feststellen. Hier ist
es sehr üblich, dass Angestellte (so auch Lehrer) sehr lange arbeiten. Die
Lehrer sind die ganze Woche von Schulbeginn bis Schulende anwesend – aber auch
bei den Küchenmitarbeitern haben wir das bereits festgestellt. Dabei wird aber
ausgesprochen ineffektiv gearbeitet (ich glaube tatsächlich, das kann man so
direkt behaupten). Zum einen, da vieles einfach sehr langsam (aus unserer
Sicht, unserer Gewohnheit heraus bewertet) von statten geht und zu deutlichen
Teilen auch gar nicht gearbeitet wird. Man legt den Kopf auf den Tisch und
schläft, isst oder unterhält sich. Bei allem sprechen wir nicht von ein paar
Minuten, sondern schnell auch mal von einer halben Stunde, oder auch zwei
Stunden (ich glaube tatsächlich bei den Lehrern – einigen (!) Lehrern – sind
die Pausen länger als „die Zeit zwischen den Pausen“).
Ich merke nun also,
dass dieses ineffektive arbeiten für mich irgendwie sehr merkwürdig ist, sehr
gegen mein eigenes, (für mich) logisches, Empfinden geht (natürlich habe ich
mich ein wenig angepasst, auch meine Pausen händle ich „flexibler“ :D). Und auf
der anderen Seite stelle ich fest, dass es (zumindest teilweise) als merkwürdig
empfunden wird, wenn ich nicht präsent bin (auch dann, wenn ich nichts zu tun
hätte; es nach meinem (für mich) logischen Verständnis gar keinen Sinn macht
präsent zu sein). Das ist mir sowohl bei Viktor aufgefallen, als auch bei
unserer Küche.
Bereits letzte Woche wurde Englisch geschrieben, heute dann
Mathe. Als fleißiger Lehrer habe ich die Examina (Word Autokorrektur wollte
Examina, ich habe mich gefügt, obwohl ich es eigentlich komisch finde :D)
natürlich beide schon komplett durchgeguckt: und muss ehrlich sagen, ich bin
ein bisschen enttäuscht, vor allem was Mathe angeht. Die Schüler wollen hier
unbedingt, dass man alles bewertet (also mit „harten“ Zahlen; Examina sollen
doch bitte mit Prozentpunkten bewertet werden).
Auch bei einfachen
Aufgaben innerhalb unseres „Unterrichtes“ wollen die Schüler oftmals, dass ich
eine „Benotung“ dranschreibe: also z.B. 6/10. Ich finde das irgendwie immer
eher doof, aber naja, manchmal „wiedersetze“ ich mich, so manches Mal mache ich
es dann auch.
Bei den Englisch Examina habe ich nur einige Aufgaben
bewertet und keine Gesamtpunktzahl aufgeschrieben, bin auch trotz mehrmaligem
Bitten dabei geblieben. Gerade in Englisch finde ich das auch echt schwer, ich
wollte nicht bei jedem Wort so kleinkariert sein, vor allem, wenn so viele
Wörter (kleinere) Fehler aufweisen. So konnte ich diese einfach korrigieren und
trotzdem einen Haken dahinter machen.
Habe aber im Gegenzug versprochen, in Mathe dann inkl.
Prozentpunkte zu bewerten. So kann ich euch jetzt die Prozentpunkte verraten:
30%, 33% und 46%. Natürlich sollten es keine 100% werden, aber deutlich über
50% hatte ich mir dann doch wohl erhofft; zumal zwei der Schüler deutlich vor
Ablauf der Zeit abgegeben haben (der andere hatte tatsächlich einfach viel
nicht bearbeitet – und trotzdem noch das beste Ergebnis). Meiner Einschätzung
nach haben die Schüler im „Unterricht“ alle besser performt (okay, bei dem
langsamen Schüler bin ich mir nicht sicher). So frage ich mich jetzt: lag es an
der Drucksituation Examen (ist es für die Schüler überhaupt eine??) oder helfe
ich im Unterricht doch immer dann wenn es schwierig wird durch (den einen entscheidenden)
Tipp (eigentlich machen die Schüler auch immer Aufgaben, wo ich dann extra ein
bisschen weg gehe)?
Inhalt der Examina war übrigens:
James – schriftliche Addition, Subtraktion, Multiplikation
und Division, Häuser (diese coolen mit aufeinandergeschichteten Steinen, nach
oben wird plus und nach unten minus gerechnet – ertappt, ich habe sie in der
Grundschule geliebt J)
und Zahlenreihen
Fianyo – schriftliche Addition, Subtraktion und
Multiplikation, Häuser und Zahlenreihen
Emmanuel – schriftliche Addition und Subtraktion, sowie
zusätzlich Aufgaben, die er mit dem Rechenschieber (der ist ganz schön toll,
weil von mir selbst gebastelt, aus Eierkarton) lösen sollte.
(geschrieben am 05.12.2016 – Jona)
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